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Besteuerung von Aktienfonds und ETFs ab dem 01.01.2018 in Deutschland


Bisherige Regelung:

Bisher waren Erträge auf Fondsebene steuerfrei. Anleger zahlten auf realisierte Kursgewinne und auf Ausschüttungen Abgeltungssteuer zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Zudem gab es bei thesaurierenden (nichtausschüttenden) Fonds eine Besteuerung der ausschüttungsgleichen Erträge am Geschäftsjahresende zulasten des Fondsvermögens (Erträge, die zwar nicht ausgeschüttet wurden, aber dem Anleger als zugeflossen galten).


Neue Regelung:

Ab dem 01.01.2018 zahlen Fonds auf Dividendenerträge aus Deutschland auf Fondsebene 15% Steuern. Im Gegenzug sind Kursgewinne und Ausschüttungen für Anleger zu 30% steuerfrei (auch bei ausländischen Fonds). Die verbleibenden 70% werden wie bisher mit Abgeltungssteuer zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer besteuert.

Bei Fonds mit geringer Ausschüttung kann zudem nach Jahresende eine Steuer auf die sogenannte Vorabpauschale fällig werden, die direkt vom Konto des Anlegers abgebucht wird.


Vorabpauschale:

Schüttet ein Fonds nichts oder nur einen geringen Anteil seiner Erträge aus, muss der Anleger trotzdem vorab einen Mindestbetrag der zu erwartenden Steuer auf die Kursgewinne seiner Fondsanteile bezahlen.

Die Vorabpauschale wird mit Hilfe des Basiszinssatzes berechnet, den die Deutsche Bundesbank für den ersten Börsentag des Jahres veröffentlicht. Der Basiszinssatz wird mit 0,7 und mit dem Anteilspreis des Fonds zu Beginn des Jahres multipliziert. Das ergibt den sogenannten Basisertrag. Anschließend wird geprüft, ob der Fonds im jeweiligen Jahr überhaupt einen Wertzuwachs + Dividendenzahlungen in Höhe des Basisertrags erzielt hat. Ist das nicht der Fall, ist die Vorabpauschale der Wertzuwachs des Fondsanteils. Liegt der Wertzuwachs + Dividendenzahlungen über dem Basisertrag ist die Vorabpauschale der Basisertrag abzüglich der Ausschüttungen des Jahres. In jedem Fall kann die Vorabpauschale nicht negativ werden und ist in einem solchen Fall gleich Null.

Die Vorabpauschale wird wie oben beschrieben versteuert. Die Steuer wird am ersten Werktags des Folgejahres von der Depotbank eingezogen. Dabei wird ein möglicher Freistellungsauftrag berücksichtigt. Fehlt die nötige Liquidität auf dem Konto, kann die Depotbank sogar den Kontokorrentkredit nutzen.

Werden die Fondsanteile schließlich verkauft, berücksichtigt die Depotbank automatisch die bereits auf Vorabpauschalen gezahlten Steuern.


Sonderfall Erwerb vor dem 01.01.2009:

Bisher waren Kursgewinne von Fondsanteilen, die Anleger vor 2009 erworben haben, bei Verkauf steuerfrei. Das gilt auch in Zukunft für alle Kursgewinne, die bis Ende 2017 angelaufen sind, egal, ob sie schon realisiert wurden oder nicht. Kursgewinne, die ab dem 01.01.2018 entstehen, werden dann aber wie oben beschrieben versteuert. Allerdings gilt zusätzlich für jeden Anleger ein Freibetrag von insgesamt 100.000 € für diese Kursgewinne. Ist dieser Freibetrag aufgebraucht, werden alle zusätzlichen Kursgewinne ab 2018 wie oben beschrieben versteuert.


Beispiel für die Steuerbelastung eines Investments in einen Aktienfonds im Vergleich zu einem direkten Investment in Aktien:

Angenommen die Hälfte der Erträge eines Fonds wären steuerpflichtige Dividendenerträge und der Fonds würde seine Erträge vollständig ausschütten, blieben auf Fondsebene noch 92,5% der Erträge übrig und nach Ausschüttung noch ca. 75,4%. Effektiv würde der Anleger dadurch ca. 24,6% Steuern bezahlen und damit ähnlich viel wie bei einem Direktinvestment in die jeweiligen Aktien (26,375%).


Fazit:

Da die Gesamtsteuerbelastung für Aktienfonds und ETFs zukünftig von verschiedenen Faktoren abhängt, lässt sich nicht pauschal sagen, ob ein Investment in einen Aktienfonds oder ein direktes Investment in Einzelaktien aus steuerlicher Sicht günstiger wäre.


Steuerfreistellungen für weitere Fondsarten:

Bei Mischfonds mit einem Aktienanteil von mindestens 25% sind 15% der Erträge für den Anleger steuerfrei.

Bei offenen Immobilienfonds werden deutsche Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf deutscher Immobilien mit 15% besteuert. Im Gegenzug erhalten Anleger eine steuerliche Teilfreistellung der Erträge in Höhe von 60%. Bei offenen Immobilienfonds mit Anlageschwerpunkt im Ausland liegt der steuerfreie Anteil bei 80%.




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